Anatomie des Meerschweinchen allgemein

Hier gibt es wertvolle Informationen über das Rexmeerschweinchen

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BeitragVerfasst: 08.01.2006 23:53
Die Vorderpfoten der Tiere sind mit 4 Krallen, die Hinterpfoten mit 3 Krallen ausgestattet.

Meerschweinchen besitzen jeweils 2 Schneidezähne und 8 Backenzähne ( 2 Vor- und 6 Backenzähne) im Ober- und Unterkiefer. Die Oberkieferschneidezähne (~1 cm) sind halb so groß wie die Unterschneidezähne (~2cm). Die Zähne der Meerschweinchen haben keine Wurzeln und wachsen zeitlebens ca 1,2 -1,5 mm in der Woche. Die Schneidezähne sind zum Abbeißen und Nagen konstruiert. Die Backenzähne zermahlen das aufgenommene Futter durch eine Vorwärts- und Rückwärtsbewegung. Dabei schleifen sich die Zähne auch ab. Ermöglicht werden die verschiedenen Kau- und Nagebewegungen durch die besondere Form des Kiefergelenkes ( Schlittengelenk)

Der einhöhlige Magen ist sehr dünnwandig und verfügt nur über eine sehr schwach ausgebildete Muskulatur. Meerschweinchen können daher nicht erbrechen und der Transport der Nahrung kann nur erfolgen, indem durch ständige Nahrungsaufnahme der Nahrungsbrei weiter in den Darm geschoben wird ( Stopfmagen). Deswegen nehmen die Tiere über den Tag verteilt etwa 60 - 80 kleine Mahlzeiten auf. Eine Passage von aufgenommener Nahrung dauert 5 Tage, falsche Nahrung quält das Tier also entsprechend lange!

Dick- und Blinddarm des Meerschweinchens sind auf die Verdauung von rohfaserreicher Nahrung spezialisiert. Der Blinddarm kann bis zu einem Drittel der Bauchhöhle einnehmen. Die Darmflora besteht überwiegend aus Bakterien, die ohne Sauerstoffzufuhr leben können (Anaerobier), und grampositiven Bakterien wie Kokken und Laktobazillen. Diese spezielle Bakterienflora ist in der Lage, Zellulose aufzuspalten, wodurch u.a. leicht verdauliche freie Fettsäuren entstehen

Da die Bakterienflora des Dick- und Blinddarmes maßgeblich an der Verwertung der Nahrung beteiligt ist, reagieren Meerschweinchen empfindlich auf Antibiotika ( v.a. bei einseitiger Wirkung auf die grampositiven Anteil der Darmflora). Die Verabreichung kann zu schwerem Durchfall führen und sogar zum Tod

Im Blinddarm wird ein spezieller Weichkot, der so genannte Blinddarmkot ( Caecotrophe), gebildet. Sein Anteil am Gesamtkot liegt bei über 30%. Er passiert die weiteren Abschnitte des Darmes weitgehend unverändert und wird von den Tieren direkt vom Enddarm aufgenommen und unzerkaut geschluckt. Der Blinddarmkot enthält neben dem "vergärten" Nahrungsbrei viele Bakterien. er dient der Versorgung des Tieres mit Vitaminen ( v.a. B und K), Nährstoffen, (Bakterien-)Eiweiß und Spurenelementen.
Auf diese Weise sind Meerschweinchen in der Lage nährstoffarme und rohfaserreiche Nahrung optimal zu verwerten. Allerdings sind sie auf die tägliche Zufuhr von Pro-Vitamin-C in einer Dosierung von bis zu 20mg/kg Körpergewicht und Tag angewiesen. Je nach Alter, evtl. tragendes Tier, schwache und kranke Tiere.
Eine Besonderheit stellt der Rücktransport von Zellulosepartikeln durch eine in der Darmwand gelegene Rinne aus dem Dickdarm in den Blinddarm dar. Dadurch können Meerschweinchen bei rohfaserarmer Fütterung längere Zeit einen Zellulosemangel ausgleichen.

Damit die arteigene Darmflora perkekt funktioniert, muss das Darmmilieu (pH 8-9) basisch sein. Dies ist nur bei der Fütterung rohfaserreicher Futtermittel gewährleistet. Bei der Verfütterung von zucker- oder stärkereichen Futtermitteln sinkt der pH-Wert auf Werte zwischen 5 und 6 ab. Die Folge ist ein Absterben der lebenswichtigen normalen Darmflora und ein Überwuchern mit unerwünschten Bakterien, die nicht in der lage sind, zellulose aufzuspalten und die lebenswichtigen Stoffwechselprodukte herzustellen

Meerschweinchen verständigen sich untereinander mit Lauten . neben dem Gehörsinn sind der Geruchssinn ( die Tiere erkennen sich untereinander am Geruch, Nahrungssuche) und das Sehvermögen (weites Gesichtsfeld aufgrund der Anordnung der Augen, Farbensehen) sehr gut ausgebildet. Mit den Tasthaaren an der Schnauze und den Ohren orientieren sie sich in ihren Bauen.
Die Tiere können verschiedene Geschmacksrichtungen unterscheiden. Sie ziehen süß schmeckende Futtermittel saueren vor. Bitterstoffe stören sie nicht.

Spezifische Duftstoffe werden im Kaudalorgan und den Perianaltaschen gebildet. Unter dem Kaudalorgan versteht man eine Anhäufung von Talgdrüsen über der Schwanzwurzel. Es ist bei geschlechtsreifen Männchen am stärksten ausgebildet und dient vermutlich der Ausschüttung sexueller Geruchsstoffe. Die Haut ist an dieser Stelle durch das fetthaltige Drüsensekret und die abgestoßenen Hornschichten schmutziggelb oder schwärzlich gefärbt.
Die nur beim Männchen ausgebildeten Perianaltaschen liegen zwischen Anal- und der Geschlechtsöffnung. Dieses Hautdrüsenorgan ist als Ausbuchtung am Mastdarmausgang sichtbar. Das fetthaltige Drüsensekret wird über Ausführungsgänge in eine verdeckte Hauttasche geleitet und dort gesammelt. Analdrüsen hat das Meerschweinchen nicht. Geschlechtsreife Böcke markieren ihr Territorium mit den Drüsensekreten und durch Verspritzen von Urin.

Zur Geschlechtsdifferenzierung dreht man die Tiere auf den Rücken. Beim männlichen Tier bildet der Anus mit den Perianaltaschen eine Öffnung, darüber befindet sich der Penis, der durch Daumendruck auf das Abdomen ( Oberbauch) ausstülpbar ist. Der Abstand zwischen Geschlecht- und Analöffnung ist größer als beim Weibchen. Beim ausgewachsenen Männchen sind die Hoden rechts und links neben dem After zu erkennen. Die Anogenitalregion ist beim Weibchen Y-förmig (Harnröhre, Scheide, After münden in einen gemeinamen Punkt).

Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus Hoden und Nebenhoden sowie mehreren Drüsen (Samenblasen-, Cowpersche Drüsen und Prostata). Der Hodenabstieg ist mit sechs Wochen beendet, die Hoden können jedoch in die Bauchhöhle zurückgezogen werden. Eine Kastration ist ab der ca. sechsten Lebenswoche möglich.
„Wenn die Wahrheit zu schwach ist, sich zu verteidigen, muss sie zum Angriff übergehen!“

Bertolt Brecht,
dt. Schriftsteller und Regisseur (1898 - 1956)

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